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Die Geschichte Ibizas in zehn Stationen

Von den Phöniziern bis zur Gegenwart: Ibizas Geschichte in zehn Stationen, mit Orten, an denen du die Epochen heute noch sehen kannst.

Geschichte & Kultur auf Ibiza 4 Min. Lesezeit Zuletzt geprüft

Bemalte Tonscherben in rötlicher Erde, im Hintergrund unscharfe Steinmauern und Olivenbäume im Abendlicht
Symbolbild

Ibiza ist kleiner als sein Ruf und älter, als die meisten denken. Wer die Insel verstehen will, muss nicht Jahreszahlen auswendig lernen, sondern ein paar Wendepunkte kennen. Diese Guide erzählt zehn davon – in der Reihenfolge, in der sie passiert sind, und jeweils mit einem Ort, an dem du die Spuren heute noch sehen kannst. Für Details gibt es eigene Guides; hier bekommst du das Gerüst.

1. Die Phönizier kommen (8. Jahrhundert v. Chr.)

Die erste dauerhafte Besiedlung, die wir kennen, ist die phönizische Siedlung Sa Caleta an der Südküste. Die UNESCO datiert sie ins 8. Jahrhundert v. Chr.[1] Es waren Händler, die auf Ibiza einen Stützpunkt für ihre Routen im westlichen Mittelmeer fanden. Mehr dazu: Phönizier und Punier.

2. Die Stadt entsteht (7. Jahrhundert v. Chr.)

Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. verließen die Bewohner Sa Caleta und zogen an die Stelle der heutigen Dalt Vila[1]. Das Archäologische Museum datiert die Stadtgründung in die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr.[2] Beide Angaben stammen von offiziellen Stellen und weichen leicht voneinander ab; für dich reicht die Erkenntnis, dass die Stadt Ibiza auf eine mehr als 2.500-jährige Geschichte zurückblickt.

3. Die punische Blütezeit

In punischer Zeit, vom späten 6. bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr., wuchs die Stadt, und mit ihr der Friedhof am Hang gegenüber[2]. Funde aus den Gräbern belegen Handelsbeziehungen bis nach Ägypten und Griechenland[1]. Spuren siehst du in der Nekropole Puig des Molins.

4. Römische Zeit und Spätantike

Das Museum beschreibt, dass die Nekropole in römischer Zeit, vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr., weiterwuchs und in der Spätantike im 6. und 7. Jahrhundert noch genutzt wurde[2]. Die Insel blieb also Teil der antiken Welt, auch als sich die politischen Verhältnisse änderten.

5. Das islamische Madīna Yābisa

Im Mittelalter hieß die Stadt Madīna Yābisa. Archäologen fanden außerhalb ihrer Mauern Reste eines Viertels, Gräber und Wasserräder[3]. Aus dem Jahr 1115 ist ein pisanisch-katalanischer Kreuzzug gegen die Inseln überliefert[3]. Wie viel davon im heutigen Landschaftsbild steckt, ist Sache der Archäologie; im Museum bekommst du dazu die gesicherten Funde gezeigt.

6. Die katalanische Eroberung (1235)

Die islamische Besiedlung endete mit der katalanischen Eroberung im Jahr 1235[3]. Seitdem gehört Ibiza zum katalanisch geprägten Kulturraum. Daraus erklärt sich die Sprache, die du heute auf Schildern liest: Eivissenc: welche Sprache auf Ibiza gesprochen wird.

7. Bauernland: die Casa payesa

Aus der Zeit nach der Eroberung stammen die ländlichen Hofformen. Der älteste Teil des Hauses Es Porxet bei Puig des Molins entstand vermutlich Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts und wurde über die Jahrhunderte immer wieder umgebaut[4]. Das ist die Geschichte der kleinen, weißen Höfe, die du auf der Insel siehst. Details: Casa payesa: die traditionelle Bauweise der Insel.

8. Die Festung der Renaissance (1554–1585)

Zwischen 1554 und 1585 bauten die Ingenieure Giovanni Battista Calvi und Jacobo Paleazzo Fratin die Befestigungen von Dalt Vila neu, um die Verbindungen zwischen Spanien und Italien zu schützen[1]. Diese Mauern sind bis heute das Wahrzeichen der Hauptstadt. Wie du sie erkundest: Dalt Vila: Rundgang.

9. Ein langes Dornröschen

Die UNESCO hebt hervor, dass die Stadt im 18. und 19. Jahrhundert kaum wuchs und dass die militärische Funktion praktisch bis in die 1970er-Jahre bestand – beides trug dazu bei, dass die Altstadt so gut erhalten ist[1]. Auch die archäologische Forschung hat ihre eigene Geschichte: 1903 wurde die Archäologische Gesellschaft gegründet, aus deren Sammlung 1907 das Archäologische Museum hervorging[5].

10. Das Welterbe und die heutige Insel

1999 nahm die UNESCO «Ibiza, Biodiversität und Kultur» in die Welterbeliste auf, als Verbindung von Natur und Kultur[1]. Seit 2007 hält das Autonomiestatut der Balearen die katalanische Sprache als Teil der gemeinsamen Identität fest und erklärt die Inselvarianten zum Gegenstand von Studium und Schutz[6]. Mehr zur Auszeichnung: Ibiza als UNESCO-Welterbe.

Wie du die Stationen auf einer Reise verbindest

Du musst nicht alles sehen. Drei Orte genügen, um den Faden zu spüren:

  • Dalt Vila für Mittelalter und Renaissance,
  • Puig des Molins für die Antike,
  • ein Hof auf dem Land für das bäuerliche Ibiza.

Wenn du lieber mit festem Plan reist, setzen unsere Routen diese Stationen in einen Zusammenhang, etwa Ibiza in 3 Tagen. Und der Überblick über alle Beiträge dieses Bereichs wartet unter Geschichte & Kultur.

Eine Anmerkung zur Genauigkeit

Frühe Geschichte ist keine exakte Wissenschaft. Datierungen verschieben sich, wenn neue Grabungen Ergebnisse liefern, und verschiedene Institutionen setzen manchmal leicht abweichende Daten. Wir halten uns an offizielle Quellen, nennen sie bei jedem Datum und lassen offen, was nicht gesichert ist. Das ist weniger spektakulär als eine fertige Legende, aber es hilft dir dabei, vor Ort die richtigen Fragen zu stellen.

Quellen

Jede konkrete Angabe stützt sich auf eine dieser offiziellen Quellen.

  1. Sa Caleta bewahrt Zeugnisse der ersten phönizischen Besiedlung im 8. Jahrhundert v. Chr.; Anfang des 6. Jahrhunderts zogen die Bewohner an den Ort der heutigen Dalt Vila. Zwischen 1554 und 1585 entstanden die Renaissance-Befestigungen nach Plänen von Giovanni Battista Calvi und Jacobo Paleazzo Fratin, um die Verbindungen zwischen Spanien und Italien zu schützen; die militärische Nutzung dauerte praktisch bis in die 1970er-Jahre. Die Nekropole Puig des Molins umfasst über 5.000 Gräber aus punischer, römischer und islamischer Zeit. 1999 wurde Ibiza als gemischtes Welterbe eingetragen.

    UNESCO World Heritage Centre · Stand: 1999 · abgerufen am ↩↩↩↩↩↩

  2. Die Phönizier gründeten die Stadt Ibiza Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr.; in punischer Zeit (spätes 6. bis Mitte 4. Jahrhundert v. Chr.) wuchs die Stadt und mit ihr ihr Friedhof; in römischer Zeit (1.–5. Jahrhundert n. Chr.) und in der Spätantike (6.–7. Jahrhundert) wurde die Nekropole weiter genutzt.

    Museu Arqueològic d'Eivissa i Formentera (MAEF) · abgerufen am ↩↩↩

  3. Die islamische Stadt hieß Madīna Yābisa; 1115 fand ein pisanisch-katalanischer Kreuzzug gegen die Inseln statt, der im Liber Maiolichinus erwähnt wird. Die islamische Besiedlung endete mit der katalanischen Eroberung 1235; ein Grabstein aus almoravidischer Zeit lässt Bestattungen zwischen 1115 und 1188 vermuten.

    Museu Arqueològic d'Eivissa i Formentera (MAEF) · abgerufen am ↩↩↩

  4. Der älteste Teil des Bauernhauses Es Porxet entstand vermutlich Ende des 16. oder Anfang des 17. Jahrhunderts und wurde im 18., 19. und 20. Jahrhundert mehrfach umgebaut; das Haus war bis in die 1970er-Jahre bewohnt.

    Museu Arqueològic d'Eivissa i Formentera (MAEF) · abgerufen am ↩

  5. Das Archäologische Museum von Dalt Vila entstand 1907 durch die Schenkung der Sammlung der 1903 gegründeten Archäologischen Gesellschaft an den Staat.

    Museu Arqueològic d'Eivissa i Formentera (MAEF) · abgerufen am ↩

  6. Die Präambel des balearischen Autonomiestatuts nennt die katalanische Sprache als Sprache der Balearen und Teil der gemeinsamen Identität; die Inselvarianten des Katalanischen sind laut Statut Gegenstand von Studium und Schutz.

    Agencia Estatal Boletín Oficial del Estado · Stand: 1. März 2007 · abgerufen am ↩

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