Phönizier und Punier: Puig des Molins und Sa Caleta
Wie Phönizier und Punier Ibiza prägten: die Siedlung Sa Caleta, die Nekropole Puig des Molins mit ihren Grabkammern und Tipps für deinen Besuch.
Einige Angaben können sich ändern. Stand: .
Wer an Ibiza nur Strände und Nächte denkt, übersieht, dass die Insel eine der ältesten Stadtgründungen im westlichen Mittelmeer beherbergt. Die Phönizier kamen vor knapp drei Jahrtausenden, ihre Nachfolger, die Punier, blieben Jahrhunderte. Zwei Orte erzählen diese Geschichte besonders gut: die Siedlung Sa Caleta im Süden und die Nekropole Puig des Molins gegenüber der Altstadt. Beide gehören zum UNESCO-Welterbe.
Wer waren Phönizier und Punier?
Die Phönizier waren ein Seefahrer- und Handelsvolk aus dem östlichen Mittelmeer. Ihre Nachfahren im westlichen Mittelmeer nennt man Punier. Für Ibiza ist die Unterscheidung wichtig, weil Museen und Beschilderungen beide Begriffe verwenden: «phönizisch» für die Anfangszeit, «punisch» für die Epoche danach. Die UNESCO spricht von der phönizisch-karthagischen Zeit und sieht darin eine wichtige Rolle der Insel in der Mittelmeerwirtschaft der Frühzeit[1]. Du brauchst keine Vorkenntnisse, um das zu begreifen: Ibiza war ein Knoten im Handelsnetz, nicht ein abgelegener Fleck.
Sa Caleta: die erste Siedlung
Sa Caleta liegt an der Südküste der Insel. Die UNESCO beschreibt die Siedlung als bedeutendes Zeugnis der ersten phönizischen Besiedlung im 8. Jahrhundert v. Chr. Anfang des 6. Jahrhunderts verließen die Einwohner den Ort und zogen an die Stelle, an der heute Dalt Vila steht[1]. Das ist die Geburt der Stadt Ibiza, wie wir sie kennen.
Eine Anmerkung zu Jahreszahlen: Manche Quellen nennen für Sa Caleta das 7. Jahrhundert, die UNESCO dagegen das 8. Jahrhundert. Bei Widersprüchen folgen wir der Welterbe-Beschreibung, weil sie die offizielle Referenz ist. Frühe Siedlungsgeschichte wird ständig neu datiert, deshalb lohnt der Blick in aktuelle Veröffentlichungen, wenn dich das Thema vertieft.
Für den Besuch gilt: Ob und wie du die Fläche betreten kannst, regeln die zuständigen Stellen und ändert sich. Wir nennen hier bewusst keine Öffnungszeiten, Preise oder Zugangsregeln. Erkundige dich vor der Fahrt bei den zuständigen Stellen der Gemeinde oder des Inselrats. Wenn du im Süden unterwegs bist, passt dazu ein Besuch im Naturpark Ses Salines.
Puig des Molins: der Friedhof der Stadt
Der Hügel liegt etwa fünfhundert Meter südlich der Altstadt, dort, wo die Stadt seit ihrer Gründung im 7. Jahrhundert v. Chr. stand[2]. Sein Name hat nichts mit der Antike zu tun: «Molins» bedeutet Mühlen, und Windmühlen sind dort seit mindestens dem 14. Jahrhundert belegt[2].
Die Phönizier wählten den unteren Teil des Hanges Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. für ihren Friedhof; zunächst umfasste er rund zehntausend Quadratmeter. In punischer Zeit, vom späten 6. bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts, wuchs er auf mehr als fünf Hektar[2]. Später wurde er von den Römern weitergenutzt und reichte bis in die Spätantike[2]. Die UNESCO zählt über 5.000 Gräber, die unterschiedliche Bestattungsriten aus punischer, römischer und islamischer Zeit zeigen[1].
Charakteristisch sind die Hypogäen: Unterirdische Grabkammern, zu denen ein rechteckiger Schacht führt; die Kammer ist meist quadratisch[2]. Heute sind von außen nur 350 bis 400 zu erkennen, geschätzt gibt es rund 3.000[2]. Viele wurden über Jahrhunderte geplündert, bis ins 20. Jahrhundert; die Löcher in den Seitenwänden vieler Kammern, durch die Plünderer in die nächste gelangten, sind noch zu sehen[2]. Die Bauern späterer Zeiten pflanzten in die Schächte Obstbäume, vor allem Oliven – daher das typische, baumbestandene Bild des Hügels[2].
Was die Nekropole besonders wertvoll macht, sind die Beigaben. Keramik, Terrakottafiguren, Skarabäen und sogar Straußeneier ermöglichen es, den Handel des punischen Ibiza mit anderen phönizisch-punischen, griechischen, römischen, iberischen und ägyptischen Orten nachzuvollziehen[1]. Ein Besuch macht aus «alten Steinen» eine Geschichte von Händlern, Handwerkern und Familien.
Das Haus mitten im Friedhof
Auf dem Gelände steht das Bauernhaus Es Porxet. Es war bis in die 1970er-Jahre bewohnt und gehört zum Museum. Die Bewohner nutzten eine alte punische Grabkammer als Stall für ihr Maultier[3]. Das zeigt, wie selbstverständlich die Insel ihre Vergangenheit in den Alltag einbaute. Mehr zur traditionellen Bauweise liest du in Casa payesa: die traditionelle Bauweise der Insel.
So planst du deinen Besuch
- Reihenfolge: Verbinde Puig des Molins mit einem Altstadtrundgang. Die Wege sind kurz, die Geschichte hängt zusammen. Unsere Guide zur Altstadt: Dalt Vila: Rundgang durch die ummauerte Altstadt.
- Aktuelle Infos: Öffnungszeiten, Eintritt und Führungen findest du ausschließlich auf der Website des Museums (MAEF). Wir geben sie nicht an, weil sie sich ändern.
- Verhalten: Betritt keine Absperrungen, klettere nicht in Schächte und nimm nichts mit. Die Anlage ist empfindlich.
- Mit Kindern: Frag beim Museum nach, ob es aktuell Programme für Familien gibt; wir machen dazu keine Angaben.
- Kleidung: Schatten gibt es nur unter den Bäumen. Hut, Wasser und festes Schuhwerk lohnen sich.
Wie du das Thema einordnest
Wenn du einen größeren Bogen suchst, helfen zwei weitere Guides: Ibiza als UNESCO-Welterbe erklärt, wie die Stätten zusammenhängen, und Die Geschichte Ibizas in zehn Stationen ordnet die phönizisch-punische Zeit in die gesamte Inselgeschichte ein. Eine Übersicht über alle Themen bietet Geschichte & Kultur.
Zum Schluss ein Gedanke für den Weg: Wenn du auf dem Hügel stehst und die knorrigen Olivenbäume siehst, steckt unter deinen Füßen ein Friedhof, der die Stadt über viele Jahrhunderte begleitet hat. Das macht den Ort ruhig und ein wenig feierlich – eine gute Erinnerung daran, dass Ibiza viel älter ist als der Tourismus.
Quellen
Jede konkrete Angabe stützt sich auf eine dieser offiziellen Quellen.
Sa Caleta bewahrt Zeugnisse der ersten phönizischen Besiedlung im 8. Jahrhundert v. Chr.; Anfang des 6. Jahrhunderts zogen die Bewohner an den Ort der heutigen Dalt Vila. Die punische Nekropole Puig des Molins umfasst mehr als 5 ha und über 5.000 Gräber aus punischer, römischer und islamischer Zeit; Grabkammern sind der häufigste punische Typ. Funde wie Keramik, Terrakotten, Skarabäen und Straußeneier belegen den Handel mit anderen phönizisch-punischen, griechischen, römischen, iberischen und ägyptischen Orten.
Puig des Molins lag etwa 500 m südlich des Puig de Vila, wo die Stadt seit ihrer Gründung im 7. Jahrhundert v. Chr. stand. Die Phönizier legten dort Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. ihren Friedhof an (zunächst 10.000 m²); in punischer Zeit, vom späten 6. bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts, wuchs er auf über 5 ha. In römischer Zeit (1.–5. Jh. n. Chr.) und in der Spätantike dehnte er sich weiter aus. Typisch sind Hypogäen mit rechteckigem Zugangsschacht und meist quadratischer Kammer; von außen sind 350–400 sichtbar, geschätzt sind rund 3.000. Viele wurden bis ins 20. Jahrhundert geplündert; der Name stammt von Windmühlen (katalanisch «molins»), die es seit mindestens dem 14. Jahrhundert gab.
Auf dem Gelände der Nekropole steht das bis in die 1970er-Jahre bewohnte Bauernhaus Es Porxet, in dem eine alte punische Grabkammer als Maultierstall genutzt wurde; es gehört zum Monografischen Museum Puig des Molins.
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