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Posidonia: warum Ankern im Seegras verboten ist

Was Posidonia ist, warum Ankern darauf auf den Balearen verboten ist, wo Bojenfelder die Lösung sind und wie du vor der Abfahrt prüfst, wo du festmachen darfst.

Wassersport & Boote auf Ibiza 4 Min. Lesezeit Zuletzt geprüft

Blick von unter Wasser zur Oberfläche, Sonnenstrahlen fallen auf Seegraswiese am Meeresgrund
Symbolbild

Zeiten, Preise und Regeln ändern sich. Die Angaben hier sind auf dem Stand vom . Prüfe sie vor deinem Besuch bei der offiziellen Stelle – die Links findest du unter Quellen.

Wenn du mit einem Boot rund um Ibiza und Formentera unterwegs bist, führt kein Weg an Posidonia vorbei. Das Seegras bedeckt große Teile des Meeresbodens, und genau dort ist das Ankern verboten. In dieser Guide erfährst du, was dahintersteckt, was die Regel konkret sagt und wie du dich vor jeder Ausfahrt informierst.

Was ist Posidonia – und warum ist sie so wichtig?

Posidonia oceanica ist keine Alge, sondern eine Blütenpflanze, die nur im Mittelmeer wächst. Sie bildet unter Wasser dichte Wiesen, die Sand festhalten, Fischen als Kinderstube dienen und das Wasser klar halten. Das Govern der Balearen führt sie als Art unter besonderem Schutz, ihr Lebensraum gilt als prioritär[1]. Die Wiesen zwischen Ibiza und Formentera sind Teil dessen, was die UNESCO 1999 als Welterbe «Ibiza, Biodiversity and Culture» eingetragen hat[2].

Das Wichtigste dabei: Die Pflanze wächst extrem langsam. Ein Anker, der ein paar Mal durch die Wiese schleift, hinterlässt Lücken, die sich über Jahre nicht schließen. Deshalb hat der Gesetzgeber hier eine klare Linie gezogen.

Was die Regel genau sagt

Das balearische Posidonia-Dekret von 2018 regelt es in Artikel 7: Das Ankern von Booten auf Posidonia oceanica ist grundsätzlich verboten. Zusätzlich darf auch die Kette oder ein anderes Teil der Verankerung nahe der Wiesen diese nicht beschädigen[3]. Das Dekret verbietet außerdem das sogenannte unkontrollierte Ankern in balearischen Gewässern. Gemeint ist Ankern, das einzeln oder in Massen gegen die Schutzvorschriften verstößt[1].

Für dich heißt das in der Praxis: Anker nur auf hellem Sand, nie auf dunklen Flecken im Wasser. Dunkel und samtig bedeutet in der Regel Seegras, hell und körnig Sand. Vom Boot aus siehst du den Unterschied bei ruhigem Wasser und guter Sicht recht gut. Wenn du unsicher bist, such dir eine andere Stelle oder nimm eine Boje.

Bojenfelder: Festmachen statt Ankern

Dort, wo besonders viele Boote auf empfindlichen Boden treffen, hat das Govern feste Bojen mit geringer Umweltbelastung eingerichtet. In diesen Zonen musst du dein Boot an die vorgesehene Boje binden und darfst nicht direkt auf die Wiese ankern[1]. Im Naturpark Ses Salines gibt es regulierte Bojenfelder in der Badia de s'Alga bei s'Espalmador, im Süden des Caló de s'Oli auf Formentera und an der Platja de Ses Salines auf Ibiza[4]. Wie die einzelnen Felder genutzt werden, legt die jeweils zuständige Verwaltung fest. Prüfe also vor der Anfahrt, ob du dort vorab buchen oder dich anmelden musst, und frag deinen Vermieter.

Mehr zu Landschaft und Schutzgebiet im Süden findest du in Naturpark Ses Salines und in Ses Salines: Strand und Naturpark.

So planst du vor der Abfahrt

Das Govern bietet einen Kartenviewer an, in dem du die aktuell kartierten Posidonia-Wiesen und die Grenzen der regulierten Bojenfelder sehen kannst[5]. Schau dir deine geplanten Buchten am Abend vorher an und markiere dir Ausweichplätze mit Sandgrund. Gerade an windigen Tagen ändern sich die Pläne schnell, und dann ist ein zweiter Ankerplatz Gold wert.

Ein paar Gewohnheiten helfen im Alltag:

  • Wirf den Anker bewusst auf Sand und lass ihn nicht über die Wiese ziehen.
  • Halte die Kette so kurz, dass sie nicht über Seegras schwingt, wenn der Wind dreht.
  • Wirf keine Abfälle und kein Abwasser über Bord, schon gar nicht in einem Bojenfeld. Das Dekret wertet ein Ablassen von Bilgenwasser oder Müll im Bojenfeld sogar als erschwerenden Umstand[3].

Was bei Verstößen droht

Ein Verstoß gegen das Dekret ist eine Verwaltungsübertretung. Die rechtliche Grundlage sind das staatliche Gesetz 42/2007 und das balearische Gesetz 5/2005; bei der Höhe der Strafe zählt besonders, wie viel Seegras beschädigt oder zerstört wurde[6]. Konkrete Bußgeldbeträge nennen wir hier bewusst nicht, weil wir sie nicht aus einer aktuellen amtlichen Tabelle belegen können. Als Skipper trägst du die Verantwortung. Gerade bei gemieteten Booten lohnt es sich, schon beim Einweisen nach den örtlichen Regeln zu fragen.

Ausnahmen gelten nur in echten Notlagen, etwa bei Gefahr für Menschenleben auf See, oder für genehmigte wissenschaftliche Arbeiten[3]. Der Wunsch nach einem schönen Mittagsplatz zählt nicht dazu.

Wie das mit deinem Bootsurlaub zusammenpasst

Alles Wichtige zum Mieten eines Bootes findest du in Boot mieten auf Ibiza, zum Fahrtgebiet rund um beide Inseln in Segeln rund um Ibiza und Formentera. Einen Überblick über alle Wasseraktivitäten bietet der Bereich Wassersport & Boote. Und wenn du lieber ohne Anker auskommst: Beim Schnorcheln siehst du das Seegras aus nächster Nähe, ohne es zu berühren.

Quellen

Jede konkrete Angabe stützt sich auf eine dieser offiziellen Quellen.

  1. Das Dekret verbietet das unkontrollierte Ankern in balearischen Gewässern; wo Bojenfelder eingerichtet sind, muss das Boot an die Boje gebunden werden und darf nicht direkt auf der Seegraswiese ankern.

    Govern de les Illes Balears, Institut Balear de la Natura (IBANAT) · abgerufen am ↩↩↩

  2. Ibiza ist seit 1999 als «Ibiza, Biodiversity and Culture» UNESCO-Welterbe; dazu gehören die Posidonia-Seegraswiesen.

    UNESCO World Heritage Centre · Stand: 1999 · abgerufen am ↩

  3. Nach Artikel 7 des Posidonia-Dekrets der Balearen ist das Ankern von Booten auf Posidonia oceanica grundsätzlich verboten; Ankerkette und andere Teile der Verankerung dürfen nahe Seegraswiesen die Wiesen nicht beschädigen.

    Govern de les Illes Balears · Stand: 2018 · abgerufen am ↩↩↩

  4. Auf Ibiza und Formentera gibt es regulierte Bojenfelder im Naturpark Ses Salines: Badia de s'Alga bei s'Espalmador, der Süden des Caló de s'Oli auf Formentera und Platja de Ses Salines auf Ibiza.

    Govern de les Illes Balears, Institut Balear de la Natura (IBANAT) · abgerufen am ↩

  5. Die Grenzen der regulierten Bojenfelder und die aktuelle Kartierung der Posidonia-Wiesen sind im Kartenviewer des Govern abrufbar.

    Govern de les Illes Balears (IDEIB) · abgerufen am ↩

  6. Verstöße gegen das Dekret gelten als Verwaltungsübertretung nach Artikel 80 des Gesetzes 42/2007 und den Artikeln 50 bis 52 des balearischen Gesetzes 5/2005; für die Höhe der Sanktion zählt besonders die betroffene oder zerstörte Seegrasfläche.

    Govern de les Illes Balears · Stand: 2018 · abgerufen am ↩

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